Hilfe, mein Tier ist krank

Die kleinen Problemchen bei den Häschen & Schweinchen:

Kaninchen:


1) Darmparasiten:


Die Gesundheitsprophylaxe zählt neben der Impfung zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen bei den Kaninchen.
Magen-Darm-Parasiten können bei den Tieren zu Durchfall, Abmagerung oder Aufgasung führen. Gerade Jungtiere reagieren besonders anfällig bei einem Befall und es kann schnell gefährlich für die Ninchen werden. Ein Kokzidienbefall allein kann bei den Jungtieren schnell tödlich enden, aber auch Entwicklungsverzögerungen sind bei einer geringen Infektion möglich. Ebenso werden die Tiere durch die Parasiten anfälliger für andere Erkrankungen.

Die Tiere können vor einem Befall nicht geschützt werden, da die Eier unweigerlich irgendwann durch die Nahrung durch frisches Grün oder Heu aufgenommen werden. Von einer regelmäßigen vorbeugenden Entwurmung ohne jegliche Anzeichen auf einen Befall würde ich abraten, da jedes Medikament Nebenwirkungen hat und auch die Ausbildung von Resistenzen gefördert werden.
Durch eine geeignete Prophylaxe, bestehend aus bestimmten Pflanzen, kann auch ein wurmfeindliches Darmmilieu geschaffen werden.

Die nachstehend beschriebene Gesundheitsprophylaxe ersetzt keinen Tierarzt bei einem akuten Befall!


Beifuß (frisch oder getrocknet)

Eigenschaften:
appetitanregend, vedauungsfördernd, antibakteriell, pilzhemmend, wirksam gegen Darmparasiten und Würmer

Beifuß kann auch selbst im Garten ohne großen Aufwand angebaut werden.


Oregano

Eigenschaften:
antibakteriell, antiviral, pilzhemmend, entzündungshemmend, gute Wirkung gegen Kokzidien, verdauungsfördernd

Ich geben meinen Tieren 4x pro Woche Oreganoöl ins Trinkwasser. Bitte kein reines ätherisches Öl verwenden, sondern die stark verdünnten Fütter bzw. Trinkwasseröle.


Thymian (frisch, getrocknet oder als Öl über das Trinkwasser)

Eigenschaften:
antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend, gutes Erkältungskraut, pilztötend, krampflösend, wirksam gegen Kokzidien


Ingwer (frisch)

Eigenschaften:
fördert das Immunsystem, mindert parasitären Befall, verdauungsfördernd, entzündungshemmend

Wird aufgrund der Schärfe nicht von jedem Kaninchen angenommen.

Auch den Meerschweinchen gebe ich über das Trinkwasser Tymian & Oregano.
Ebenso erhalten sie getrockneten Beifuß.


2.) Magenüberladung

Bei einer Magenüberladung staut sich der Nahrungsbrei im Magen an, da dieser aufgrund einer Verstopfung am Magenausgang oder im Darm nicht weitertransportiert werden kann. Der Bauch der Kaninchens ist prall gefüllt und hart ertastbar. Ohne Behandlung kann es zu Magenwandrissen oder zum Absterben einzelner Bereiche des Magens führen.
Eine Magenüberladung kann durch eine unregelmäßige Fütterung entstehen, da das Tier aufgrund der Hungerphase das Futter häufig zu schnell verschlingt ohne es richtig zu kauen. Dadurch können die größeren Futterstücke den Magenausgang oder den Darm verschließen. Das gleiche kann bei Zahnproblemen entstehen, wenn das Kaninchen die Nahrung aufgrund der bestehenden Schmerzen nicht richtig zerkleinert.  Aber auch durch eine übermäßige Fütterung von stark quellenden Futter (bspw. Pellets) können die Engpässe im Magen und Darm verstopft werden.
Bei einer Magenüberladung muss das Tier sofort dem Tierarzt vorgestellt werden!


3.) Aufgasung/Trommelsucht

Das Problem bei der Trommelsucht ist, dass sich vermehrt Gase im Magen bilden. Da die Tiere nicht aufstoßen können, wird dies sehr schnell ein ernsthaftes Problem. Durch den stark aufgeblähten Magen kann es zu Magenwandrissen kommen, aber auch Atemnot und Herzkreislaufversagen sind möglich. Der Bauch ist prall und hart ertastbar. Ursachen für eine vermehrte Gasbildung kann eine zu schnelle Futterumstellung, die übermäßige Gabe von blähenden oder stark quellenden Futter, Darmparasiten oder eine unregelmäßige Fütterung sein. Auch jegliche Erkrankung die zu einer allgemeinen Fressunlust führen, wie beispielsweise eine mechanische Verstopfung des Magen-Darm-Traktes, eine bakterielle Infektion oder Zahnbeschwerden, können eine  Aufgasung hervorbringen.
Die Symptome bei einer Trommelsucht und einer Magenüberladung sind fast identisch, jedoch muss eine andere Behandlung erfolgen.
Es ist daher notwendig, das Tier sofort dem Tierarzt vorzustellen, damit eine korrekte Diagnose gestellt werden kann.


4.) Durchfall

Durchfall kann aus ganz unterschiedlichen Gründen auftreten.
Entweder entsteht es primär aufgrund einer bakteriellen Infektion des Magen-Darm-Traktes, durch Darmparasiten (hauptsächlich durch Kokzidien) oder aufgrund von Fütterungsfehlern oder es tritt sekundär als Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankungen (z.B. Zahnprobleme) auf.
Durchfall wird durch Stress begünstigt.
Fehler in der Fütterung sowie Kokzidien sind die häufigsten Ursachen von Durchfall. 
Ein Kaninchen hat Durchfall, wenn der Kot matschig oder sogar wässrig ist. Oftmals ist auch die Afterregion verklebt.  

Es kann vorkommen, das Neuhalter den Blinddarmkot ihres Kaninchens mit Durchfall verwechseln.
Blinddarmkot scheiden alle Kaninchen aus, auch wenn sie vollkommen gesund sind. Meist wird der Blinddarmkot gleich wieder gefressen. Es kommt aber auch vor, dass dieser nicht aufgenommen und zertreten im Einstreu gefunden wird. Da der Blinddarmkot wesenlich weicher als der normale Kot ist, kann dieser schnell mit Durchfall verwechselt werden. 

Daher gibt es eine gute Eselsbrücke:

  • Das Kaninchen hat Durchfall, wenn es keinen normalen Kot mehr absetzt.
  • Das Kaninchen hat lediglich Blinddarmkot abgesetzt, wenn es weiterhin auch normalen Kot hat.


Bei akutem, schweren Durchfall sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.


5.) Zahnprobleme

Die Zähne wachsen bei einem Kaninchen lebenslang kontinuierlich nach.
Eine falsche Fütterung ist leider die häufigste Ursache für spätere Zahnprobleme.
Je nach der Beschaffenheit des Futters werden die Zähne unterschiedlich stark beansprucht.
Durch die Gabe von faserarmer, sehr energiereicher Nahrung, entsteht kein ausreichender Zahnabrieb, da das Futter kaum gekaut werden muss und schnell sättigt.
Um einen natürlichen Zahnabrieb zu gewährleisten, müssen die Kaninchen rohfaserhaltige Nahrung aufnehmen. Der Zahnabrieb erfolgt durch das Aufeinanderreiben der Zähne beim Zermalmen des Futters.
Die Zähne nutzen sich somit gegenseitig durch die natürliche Kaubewegung ab.


6.) Hautparasiten

Zu den Hautparasiten zählen grds. Flöhe, Zecken, Milben, Läuse und Haarlinge.
Milben und andere Parasiten sind allgegenwärtig (im Heu, im Stroh, im Gras oder auf einem Partnertier), sodass die Tiere unweigerlich mit ihnen in Kontakt treten, egal ob sie in Außenhaltung leben oder in der Wohnung gehalten werden.
Eine geringe Anzahl an Parasiten kann sich immer einmal auf einem gesunden Tier aufhalten ohne dass es zu Symptomen kommt.
Erst bei einem geschwächten Immunsystem können sich die Parasiten auf unseren Kaninchen ausbreiten und es treten Krankheitszeichen wie Schuppen, Haarausfall und Juckreiz auf. 
Bei einem leichten Parasitenbefall muss nicht sofort die Chemiekeule angewandt werden, auch natürliche Mittel können gut wirken.
Beispielsweise hilft Kieselgur sehr gut gegen alle auf der Haut lebenden Parasiten (nicht gegen die Grabmilbe).  Es wirkt rein mechanisch und tötet sie ab ohne dabei Gift oder chemische Substanzen einsetzen zu müssen. Die winzigen Algenschalen, aus denen das Pulver besteht, haben scharfe Kanten und verletzen die Parasiten, sodass diese vertrocknen. 
Eine mehrfache Anwendung ist dabei notwendig. 
Es gibt aber auch zahlreiche andere Mittel, die gut und zuverlässig wirken.

Meerschweinchen


1.) Darmparasiten

Auch die Schweinchen bleiben von Kokzidien nicht verschont. Sie können sich mit diesen infizieren ohne das sie Symptome zeigen. Bei jungen oder geschwächten Tieren können Kokzidien zu Durchfall führen.
 

Genau wie meinen Kaninchen gebe ich den Meerschweinchen über das Trinkwasser Tymian & Oregano. Ebenso erhalten sie getrockneten Beifuß. 



2.) Magenüberladung

Die Ursachenfür eine Magenüberladung sind die gleichen wie bei den Kaninchen. Ist eine vollständige Vestopfung des Magen-Darm-Traktes eingetreten, sollte dringend ein Tierarzt aufgesucht werden.


3.) Aufgasung/Trommelsucht

Eine Aufgasung ist bei Meerschweinchen sehr selten und meist auf Fütterungsfehler zurückzuführen. Die Schweinchen sind apathisch, stellen das Fressen nahezu oder gänzlich ein und wirken aufgeplustert.
Hier ist ein Besuch beim Tierarzt notwendig.


4.) Durchfall

Die Ausführungen zu den Ursachen von Durchfall gelten bei den Meerschweinchen analog.
Ein Meerschweinchen hat Durchfall, wenn es breiigen oder dünnflüssigen Kot ausscheidet.
Bei leichtem Durchfall ist es mit einer geeigneten Ernährung möglich, das Schweinchen wieder gut aufzufangen. Wichtig ist es, die Ursache für den Durchfall zu finden. Sollte der Durchfall länger anhalten, das Schweinchen setzt nur dünnflüssigen Kot ab (starker Durchfall) oder ist schlapp wäre ein umgehender Besuch beim Tierarzt ratsam.


5.) Zahnprobleme

Die Ausführungen bei den Kaninchen gelten bei den Meerschweinchen analog.


6.) Hautparasiten

Die Ausführungen bei den Kaninchen gelten bei den Meerschweinchen analog.


7.) Hautpilz

Auch Meerschweinchen können von Hautpilz betroffen sein.
Einige Meerschweinchen sind Träger von Hautpilzsporen, erkranken aber aufgrund ihres guten Immunsystems nicht daran.
Ist das Immunsystem jedoch beeinträchtigt, wie z.B. durch erhöhten Stress (z.B. bei einer neuen Gruppenzusammensetzung oder einem Umzug des Schweinchens in sein neues Zuhause (hier sind eher sehr junge Schweinchen betroffen) oder bei einer vorliegenden Erkrankungen, kann sich der Hautpilz ausbreiten.
Gerade Jungtiere im Absatzalter können durch den entstehenden Stress, der aufgrund einer neuen Gruppenzusammenführung entsteht, einen Absatzpilz (so nennt man einen Hautpilz bei sehr jungen Tieren) entwickeln. Böckchen sind hier tendenziell öfters betroffen, weil sie leider bereits spätestens mit der 4. Lebenswoche in die Bockgruppe umsiedeln müssen, damit sie nicht ihre Geschwister versehentlich eindecken. Diese neue Erfahrung birgt für die noch sehr jungen Schweinchen in den ersten Tagen in der neuen Gruppe viel Stress. Bei vereinzelten Tieren kann dann ein Hautpilz ausbrechen. Die Jungtiere sind deshalb nicht krank, sondern standen nur unter starkem Stress. Dieser muss nach Ausheilung in erneuten Stressphasen auch nicht zwangsläufig wiederkehren. Erwachsene Tiere vertragen Stresssituationen grundsätzlich besser.
Der Halter erkennt den Hautpilz an einem stellenweisen (meist kreisrunden) Haarausfall und Krustenbildung des betroffenen Gebietes. Nicht in allen Fällen geht es mit einem Juckreiz einher. Meistens haben die Schweinchen den Hautpilz an den Ohren, im Kopfbereich oder der Nase.
Ohne Behandlung breitet sich der Hautpilz schnell aus.
Er ist aber sehr gut behandelbar und heilt auch vollständig aus.
Wird der Hautpilz zeitnah erkannt, können bereits natürliche Mittel, wie z.B. Kokosfett helfen, sodass man auch hier die Chemiekeule umgehen kann. Hierbei ist eine regelmäßige Anwendung notwendig, bis keine Krustenbildung mehr zu sehen ist und wieder der erste Härchenflaum zu erkennen ist.
Handelt es sich um einen hartnäckigen Hautpilz oder ist die betroffene Stelle schon etwas größer, habe ich sehr gute Erfahrungen mit Lamicil Once (eigentlich eine Fußpilzcreme für Zweibeiner & in jeder Apotheke frei verkäuflich) sammeln können. Der Vorteil hierbei ist, dass nur eine einmalige Anwendung durchgeführt werden muss. Dadurch erspart man dem Schweinchen viel Stress durch die sonst häufigeren Behandlungsintervalle.
Beide Behandlungsmethoden vertragen die Schweinchen sehr gut. Sicherlich gibt es aber auch noch andere gute Behandlungsmethoden.


8.) Augenverletzungen

Meine Meerschweinchen tendieren immer einmal gerne dazu, sich den ein oder anderen Heuhalm oder Grassamen ins Auge zu piksen. 
Der Fremdkörper beschädigt, auch bei einer zeitnahen Entfernung, oftmals die Hornhaut am Auge, sodass diese eintrübt und einen milchigen blauen Schleier hinterlässt. Ist die Hornhaut derartig eingetrübt, ist das Augenlicht ganz oder teilweise verschwunden. Das Schweinchen kann auf diesem Auge nichts mehr sehen oder nur noch schemenhaft etwas wahrnehmen.
Es ist jedoch immer wieder erstaunlich welche große Regenerationsfähigkeit die Augen der Meerschweinchen haben.

Auf den Bildern seht ihr eine Augenverletzung meiner Schweinchendame im Jahr 2022. Durch die regelmäßige Gabe von antibiotikahaltigen Augentropfen hat sich das Auge nach einer knappen Woche wieder vollständig erholt.